ESG-Risiken

 

 

ESG-Risiken: Warum Nachhaltigkeit nicht bis morgen warten kann 

Das steht auf dem Spiel, wenn sich Unternehmen nicht aktiv mit den geltenden ESG-Kriterien auseinandersetzen 

Nicht nur der Klimawandel selbst oder damit verbundene Themen wie Strukturwandel und Importwirtschaft bergen Risiken für Unternehmen; auch das politische Handeln und die Nichteinhaltung von ESG-Regularien können mit Risiken behaftet sein. Es ist längst nicht vollständig absehbar, was alles an neuen Nachhaltigkeitsrisiken auf uns zukommen wird. Klar ist aber, dass sich die Umwelt und die Gesellschaft rasant verändern. Die Folgen dieser Veränderungen und die Reaktion der Politik darauf setzen Unternehmen bereits jetzt unter Zugzwang.  

Der Handlungsdruck für Unternehmen kann sich durch kurzfristig eintretende Ereignisse wie ad hoc getroffene politische Entscheidungen oder plötzliche Trendwenden im Marktgeschehen sehr schnell weiter erhöhen. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig mit drohenden ESG-Risiken auseinanderzusetzen und die betreffenden Handlungsfelder im eigenen Unternehmen zu identifizieren. Nur so können rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden, um sich zukunftssicher aufzustellen. 

Wir von Protiviti helfen Ihnen dabei, sich einen Überblick über potenzielle ESG-Risiken zu verschaffen.  

Inhalt

Mit welchen Nachhaltigkeitsrisiken müssen Unternehmen rechnen? 

Nachhaltigkeitsrisiken im Bereich Umwelt 

Nachhaltigkeitsrisiken im Bereich Soziales 

Nachhaltigkeitsrisiken im Bereich Unternehmensführung 

Spezifische Nachhaltigkeitsrisiken im Finanzsektor 

Überprüfung von Geschäftsstrategie und Risikomanagement 

Mit welchen Nachhaltigkeitsrisiken müssen Unternehmen rechnen? 

Nachhaltigkeitsrisiken betreffen alle Wirtschaftssektoren und können in jedem Unternehmensbereich auftreten. Der Finanzwirtschaft kommt in Sachen ESG allerdings oftmals eine Schlüsselrolle zu. Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute (FSI) haben zudem besondere Nachhaltigkeitsrisiken zu verantworten – Schlagwort Sustainable Finance. Die Sustainable Finance Strategy der Europäischen Kommission wird Studien zufolge aber auch weitreichende Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben.  

Die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsrisiken sind auf mikroökonomischer Ebene nicht verallgemeinerbar und je nach Unternehmen und Branche verschieden. Daher ist es für Unternehmen elementar, ihre individuellen Bedrohungen und gefährdeten Geschäftsbereiche zu identifizieren und Nachhaltigkeitsstrategien danach auszurichten. 

Dennoch haben Aufsichtsbehörden und andere Standardsetzer einige typische Nachhaltigkeitsrisiken im Bereich Environmental Social Governance (ESG) definiert. Diese stellen wir für Sie im Folgenden dar. 

Nachhaltigkeitsrisiken im Bereich Umwelt 

Die aus dem Klimawandel resultierenden Extremwetterlagen führen zu physischen Risiken, die sich direkt oder indirekt auf die Produktion und Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens auswirken können.  

Zu den direkten physischen Risiken zählen unter anderem: 

  • extremes Unwetter (Überflutung, Stürme) 

  • langfristig veränderte ökologische Bedingungen (Anstieg des Meeresspiegels, Anstieg der Durchschnittstemperatur) 

Zu den indirekten physischen Risiken zählen unter anderem: 

  • klimabedingte Migration (Abzug von Arbeitskräften) 

  • bewaffnete Konflikte und Unruhen (zu berücksichtigen bei Produktionsstätten im Ausland) 

Ein Zusammenbruch von Lieferketten, die kostenintensive Anpassung von Produktionsbedingungen oder die gänzliche Aufgabe beispielsweise von wasserintensiven Geschäftsfeldern können die Folge sein.  

Die damit verbundenen Transitionsrisiken spielen eine zentrale Rolle bei der Entwicklung jeder Nachhaltigkeitsstrategie. Insbesondere die Umstellung auf eine klimaneutrale Wirtschaft und die damit einhergehenden politischen Maßnahmen bergen transitorische Risiken.  

Sind Systeme und Prozesse nicht an die ESG-Kriterien angepasst, laufen Unternehmen Gefahr, finanzielle Mittel und Reputation einzubüßen. Erhebliche Transitionsrisiken bestehen, wenn beispielsweise … 

  • politische Entscheidungen ad hoc getroffen werden. Das kann etwa der Fall sein, wenn die Umsetzung von EU-Richtlinien in nationales Recht bereits vor der gesetzten Frist festgelegt wird.  

  • hohe Sanierungskosten für Gebäude anfallen, die aktuellen Vorgaben nicht mehr entsprechen. 

  • Stranded Assets wie Bestandsgebäude durch veränderte Investoren- oder Mieteransprüche an Wert verlieren 

  • die CO2-Bepreisung steigt und Emissionszertifikate teurer werden. 

  • Wettbewerber bereits mehrheitlich auf nachhaltige Lösungen setzen (z. B. die Nutzung regenerativer Energien) und dies womöglich öffentlichkeitswirksam kommunizieren. 

  • Unternehmen sich für Umweltschäden rechtlich verantworten müssen. 

Physische und transitorische Risiken sind unmittelbar miteinander verbunden und bedingen einander. Unternehmen müssen sich bewusst sein, dass eine plötzliche Zunahme von physischen Risiken zu erhöhten Transitionsrisiken führt. Verlorene Vermögenswerte, Reinvestitionen, Ersatzanschaffungen und Wiederaufbau im infrastrukturellen Sektor können mit hohen Kosten verbunden sein. Rechtzeitige Investitionen in den Umweltschutz können ungeplante und überhöhte transitorische Kosten sowie Kapitalverlust vorbeugen.  

Nachhaltigkeitsrisiken im Bereichen Soziales 

Viele Unternehmen haben die Umweltfaktoren bereits klar im Blick und räumen ihnen viel Platz bei der Risikoanalyse und in ihren Reportings ein. Die Nichteinhaltung von ESG-Kriterien im Bereich Soziales birgt jedoch ebenso Risiken, die die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens unmittelbar betreffen können. Auch negative Auswirkungen auf die Reputation sind möglich – hier droht der Verlust wertvoller Verbindungen zu Stakeholdern.  

Mögliche Risiken im Bereich Soziales können unter anderem sein: 

  • Schadensersatzklagen z. B. bei Nichteinhaltung arbeitsrechtlicher Bestimmungen 

  • Vertragskündigungen oder Verlust von Genehmigungen z. B. bei Nichtbeachtung von Landrechten beim Bau von Produktionsstätten oder Menschrechtsverletzungen in Lieferketten, wie im Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz beschrieben [Verlinkung zum internen Artikel]  

  • Bußgelder und Sanktionen, wenn Arbeitsbedingungen oder der gesundheitliche Schutz der Mitarbeitenden nicht genügend berücksichtigt wird 

Bußgelder, staatliche Sanktionen und Vertragskündigungen führen nicht nur zu erheblichen finanziellen Einbußen, sondern können auch dem Unternehmensimage erheblichen Schaden zufügen. Besonders die globale Textilbranche sieht sich großen Herausforderungen bei der Schaffung guter Arbeitsbedingungen an ausländischen Produktionsstätten gegenüber, im Detail nachzulesen etwa in einer Publikation des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik  

Auch die Gefährdung von Verbraucher*innen und Kund*innen können Folgen wie etwa Lizenzentzug nach sich ziehen, wie der Fall eines großen Beförderungsdienstleisters in London gezeigt hat. [Frage: hier entsprechende Artikel verlinken oder geht das wegen Datenschutz o.ä. nicht? Uber hat in London 2019 seine Lizenz verloren wegen Sicherheitsmängeln] 

Nicht zuletzt kann die Nicht-Einhaltung von sozialen Kriterien zu Verlust von Arbeitskräften und somit von wertvollem Know-how führen. Veränderte Personalplanung, vermehrte Kosten für Onboardingprozesse oder gar gerichtliche Kosten – all dies können transitorische Risiken im sozialen Bereich darstellen. 

Nachhaltigkeitsrisiken im Bereich Unternehmensführung 

Eine gute Unternehmensführung kann nachhaltige Investments und die Wertentwicklung von Aktien positiv beeinflussen. Nachhaltige Standards für Governance wirken sich sogar doppelt positiv auf die eigene Wirtschaftlichkeit aus – denn ein gut geführtes Unternehmen hat gleichzeitig weniger soziale und ökologische Probleme. Sollte ein Unternehmen die ESG-Kriterien in puncto Unternehmensführung nicht umsetzen, können folgende Risiken auftreten: 

  • Bußgelder oder andere Sanktionen durch Missachtung von ESG-Kriterien in puncto Unternehmensführung wie beispielsweise Steuerhinterziehung 

  • Verlust von Vertrauen und Glaubwürdigkeit durch Missachtung von ESG-Kriterien z. B. bei Intransparenz von Geschäftsmethoden oder bei Korruptionsvorwürfen 

  • Rechtliche Probleme bei z. B. Nicht-Einhaltung von Datenschutzbestimmungen 

  • Langfristige Imageschäden durch Whistleblowing und dem falschen Umgang mit Whistleblowern 

Spezifische Nachhaltigkeitsrisiken im Finanzsektor 

Bereits 2019 hat das Central Banks and Supervisors Network for Greening the Financial System (NGFS) in einem umfassenden Bericht die Nachhaltigkeitsrisiken für den Finanzsektor beschrieben. Die folgende Auflistung verdeutlicht, bei welchen Risikotypen Finanzinstitute Nachhaltigkeit als mögliches Thema berücksichtigen und je nach Bedarf integrieren müssen: 

  • Kreditrisiken/Adressenausfallrisiken 

  • Markt(preis)risiken 

  • Liquiditätsrisiken 

  • Operationelle Risiken 

  • Versicherungstechnische Risiken 

  • Strategische Risiken 

  • Reputationsrisiken 

Kreditrisiken oder Adressenausfallrisiken bestehen für Kreditinstitute, wenn sie Mittel an Kunden vergeben, deren Geschäftsmodelle nicht den ESG-Regularien entsprechen. Dies können beispielsweise emissionsintensive Unternehmen sein, die durch die politisch festgesetzte CO2-Bepreisung deutlich höhere Kosten schultern müssen. Durch diese strategische Fehleinschätzung des Kunden kann es zu Beeinträchtigungen im Schuldendienst kommen. 

Markt(preis)risiken bestehen für alle Marktteilnehmer, wenn durch Berücksichtigung von ESG-Aspekten Marktschwankungen entstehen. Für Finanzinstitute sind Investments in Unternehmen, die nicht nachhaltig wirtschaften, besonders risikobehaftet. So kann z.B. die Marktstimmung wegen regulatorischer Maßnahmen umschlagen und zu Abwertungen führen. Das Equity-Risk wäre für Banken hier besonders hoch. Auch ein verändertes Kundenverhalten aufgrund des stärkeren Nachhaltigkeitsbewusstseins kann weitreichende Auswirkungen auf den Marktpreis haben und Investitionen in diese Unternehmen zu einem hohen Risiko werden lassen. 

Liquiditätsrisiken können für Banken bestehen, wenn Einlagen in großem Umfang abgezogen werden. Etwa weil zahlreiche Kunden zeitgleich Mittel benötigen, um die Folgen einer Unwetterkatastrophe zu beseitigen. Dies kann für die betreffenden Kreditinstitute zu einem bedrohlichen Verlust von liquiden Mitteln führen.  

Operationelle Risiken bestehen, da durch Umweltkatastrophen beispielsweise Gebäude wie Produktionsstätten oder Geschäftsräume nicht länger genutzt werden können. Im schlimmsten Fall kann der Betrieb dadurch langfristig zum Erliegen kommen.  

Versicherungstechnische Risiken erhöhen sich durch die Intensität von Unwettern rapide. Für Unternehmen bedeutet dies häufig, grundlegende Anpassungen von Betriebsunterbrechungs- und Gebäudeversicherungen vornehmen zu müssen. Versicherungsunternehmen sind in diesem Bereich aktiv wie passiv von Nachhaltigkeitsrisiken betroffen, weil sie doppelt finanziell belastet werden. 

Soziale und Nachhaltigkeitsthemen können gravierende Entscheidungen von Unternehmen fordern, zum Beispiel in der Frage, in welchen Bereichen investiert wird. 

Mit allen genannten Risikobereichen kann ebenfalls ein Reputationsrisiko einhergehen: Tritt einer der genannten Fälle ein, kann das zu einer negativen (öffentlichen) Wahrnehmung des Unternehmens führen, verbunden zum Beispiel mit einem schlechteren Rating, schlechteren Refinanzierungsbedingungen oder dem Verlust von Kunden.  

Überprüfung der Geschäftsstrategie und des Risikomanagements 

Unternehmen müssen sich im Klaren darüber sein, dass es eine regulatorische Notwendigkeit gibt, bestimmte ESG-Regularien umzusetzen. Bereits die Implementierung von ESG in unternehmerische Risikoaspekte bietet eine Chance, strategische Steuerungsmodi überhaupt erst zu ermöglichen. Wenn sie sich zukunftssicher aufstellen wollen, kommen Unternehmen nicht umhin, entsprechende Strategien zu entwickeln. 

Um Nachhaltigkeitsrisiken strukturiert anzugehen, sollten Sie sich im ersten Schritt folgende Fragen stellen: 

  • Welche allgemeinen Nachhaltigkeitsrisiken sind für mein Unternehmen zu erwarten? 

  • Welche Unternehmensbereiche können von welchen konkreten Risiken betroffen sein? 

  • Passt unsere aktuelle Geschäfts- und Risikostrategie noch zu den aktuellen Anforderungen an Unternehmen? 

  • Wie lässt sich Nachhaltigkeitsrisiken proaktiv entgegenwirken? 

Nachhaltiges Risikomanagement ist ohne Frage eine komplexe Angelegenheit und eine Herausforderung für viele Unternehmen. Wie bei jeder Risikoanalyse müssen die Prozesse für  

  • Risikoidentifikation und Risikomessung  

  • Risikosteuerung  

  • und Risikocontrolling  

in puncto Nachhaltigkeit individuell zum Unternehmen passen. 

Wir von Protiviti unterstützen Sie gerne dabei, den Überblick über Ihr Risikomanagement zu behalten. Wir begreifen Nachhaltigkeitsrisiken nicht als Problem – sondern als Möglichkeit, ungenutzte Potenziale Ihres Unternehmens zu erkennen. Protiviti hilft Ihnen und Ihren Mitarbeiter*innen, durch Risikomanagement-Trainings, modulbasierte Projektpläne und vollständige Prozesseinführungen einen für Ihr Unternehmen passgenauen Weg in die Zukunft zu beschreiten. 

Nehmen Sie gerne Kontakt auf, wir freuen uns auf Ihre Anfrage! 

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