ESG-Berichtspflicht

 

 

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Bald auch im Mittelstand Pflicht 

Voraussichtlich rund 15.000 deutsche Unternehmen sind ab 2023 rechenschaftspflichtig  

Die Wirtschaft soll grüner, nachhaltiger und sozial gerechter werden – und das auch anhand konkreter Daten belegen. Unter anderem, indem Unternehmen Rechenschaft zu ihren Aktivitäten im Hinblick auf Umwelt- und Klimaschutz, Arbeitnehmerbelange und zu sozialen Aspekten sowie ihrer Corporate Governance ablegen. Für Großunternehmen und Konzerne sowie Finanzdienstleistungs- und Versicherungsunternehmen ist das ESG-Reporting nichts Neues: Sie sind schon seit geraumer Zeit dazu verpflichtet. Eine Nachhaltigkeitsberichtspflicht kann ab 2023 aber auch viele Mittelständler treffen. Höchste Zeit also für KMUs, sich darauf vorzubereiten.   

Inhalt:

Berichtspflicht soll Nachhaltigkeit zum Selbstläufer machen 

CSRD sorgt für Ausweitung der Berichtspflicht 

EU-Taxonomie-Verordnung legt verbindliche Nachhaltigkeitskriterien fest 

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Pflicht und Chance für den Mittelstand 

Fest steht: Der Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen wird sich 2023 deutlich vergrößern. Dafür sorgt die europäische Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Zudem gibt es künftig mit der EU-Taxonomie-Verordnung eine klare Definition dafür, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten als „nachhaltig“ einzustufen sind. Ziel der Neuregelungen ist es, dass Nachhaltigkeitsberichte europaweit vergleichbarer und konkreter werden und dass mehr Unternehmen dabei einbezogen werden.     

Wir erklären Ihnen, welche Änderungen die neuen Richtlinien in den kommenden Jahren auch für mittelgroße Unternehmen mit sich bringen. Und warum der ESG-Bericht mehr als eine lästige Pflicht ist. Wenn Sie es richtig angehen, birgt das Nachhaltigkeitsreporting zahlreiche Chancen, die eigene Position am Markt zu stärken.    

Berichtspflicht soll Nachhaltigkeit zum Selbstläufer machen 

Bestimmte Unternehmen sind in Deutschland bereits seit dem Geschäftsjahr 2017 durch die CSR-Richtline zur Abgabe einer sogenannten „nichtfinanziellen Erklärung“ verpflichtet, die in § 289b Handelsgesetzbuch (HGB) verankert ist. Diese CSR-Berichtspflicht betrifft bislang  

  • große und kapitalmarktorientierte Unternehmen und Konzerne mit 

  • mehr als 500 Mitarbeiter*innen durchschnittlich pro Geschäftsjahr 

  • und/oder einem Umsatzerlös von mehr als 40 Millionen Euro beziehungsweise einer Bilanzsumme von mehr als 20 Millionen Euro. 

  • große Kreditinstitute, Finanzdienstleistungs- und Versicherungsunternehmen 

Diese Berichtspflicht dient nach dem Willen der Politik als deutlicher Fingerzeig in die nachhaltige Richtung: Indem Unternehmen konkret darstellen müssen, welche Auswirkungen ihre Geschäftstätigkeit in sozialer und ökologischer Hinsicht hat – und zwar öffentlich, vor Kunden, Geschäftspartnern und möglichen Investoren –, soll nachhaltiges Denken und Handeln in der Wirtschaft unterstützt und gefördert werden, bis es irgendwann zum Selbstläufer wird.  

CSRD sorgt für Ausweitung der Berichtspflicht 

In Deutschland finden sich zurzeit die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen noch in der CSR-Richtlinie, auf EU-Ebene bekannt als Non-Financial Reporting Directive (NFRD). Diese erhält jedoch bald ein Update: die besagte CSRD, die erstmals ab dem Geschäftsjahr 2023 anzuwenden ist.  

Eine zentrale Neuerung ist die Ausweitung der Berichtspflicht auf deutlich mehr Unternehmen. Das ergibt sich aus den neuen Rahmenrichtlinien. Die Berichtspflicht greift künftig bereits, wenn zwei der folgenden Kriterien erfüllt sind:  

  • mehr als 250 Arbeitnehmer durchschnittlich pro Geschäftsjahr 

  • Umsatzerlös von mehr als 40 Millionen Euro 

  • Bilanzsumme von mehr als 20 Millionen Euro 

Das deckt sich mit der Definition einer großen Kapitalgesellschaft im Sinne von § 267 Absatz 3 HGB. Gerade größere Mittelständler mit einer Beschäftigtenzahl um die 250 Mitarbeiter und entsprechender Umsatz- oder Bilanzsumme können so künftig in die ESG-Berichtspflicht rutschen. KMUs, die an einem geregelten Markt in der EU notiert sind, müssen sich zudem darauf einstellen, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung in den kommenden Jahren auch sie betreffen wird. Für sie gibt es aber eine dreijährige Übergangsfrist und es sollen vereinfachte Standards gelten.  

In Deutschland wird die Zahl der rechenschaftspflichtigen Unternehmen nach einer Schätzung des DRSC (Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee e. V.) voraussichtlich von rund 500 auf etwa 15.000 steigen. 

SFDR:  Zusätzliche Offenlegungsverordnung für Finanzdienstleister 

Finanzdienstleister müssen seit 2021 eine weitere EU-Richtlinie zur Offenlegung der Nachhaltigkeit ihrer Investitionsentscheidungen beachten: die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR). Sie fordert verpflichtende Angaben unter anderem zum Einbezug von Nachhaltigkeitsrisiken bei Investitionsentscheidungen und legt zahlreiche weitere Informationspflichten fest.  

EU-Taxonomie-Verordnung legt verbindliche Nachhaltigkeitskriterien fest 

Nachhaltigkeitsexpert*innen sind sich einig: In puncto Aussagekraft ist bei vielen CSR-Reports noch deutlich Luft nach oben. Das liegt unter anderem daran, dass es diverse ESG-Reporting-Standards gibt, die jedoch allesamt nicht bindend sind. Noch ist es Unternehmen weitgehend freigestellt, welche inhaltlichen Schwerpunkte sie in ihren Berichten setzen. Ebenso war bisher nicht genau definiert, welche wirtschaftliche Aktivität überhaupt als „nachhaltig“ gilt. Entsprechend sind die Nachhaltigkeitsberichte der vergangenen Jahre in den meisten Fällen nur sehr bedingt vergleichbar.  

Das soll sich ändern. Die CSRD gibt zum einen künftig bestimmte Punkte vor, die obligatorisch sind. Zum 1. Januar 2022 ist die die EU-Taxonomie-Verordnung in Kraft getreten, die Ordnung in die Kriterien-Vielfalt bringen soll. Sie beantwortet die Frage, die sich viele Unternehmer*innen schon länger stellen: „Nachhaltigkeit – was ist das eigentlich genau?“ 

Die Antwort: Nachhaltig im Sinne des EU-Klassifikationssystems (der Taxonomie) sind wirtschaftliche Aktivitäten, die einen erkennbaren Beitrag zu mindestens einem der EU-Umweltziele leisten und dabei keinem der anderen Umweltziele wesentlich schadet. 

Die Umweltziele gemäß EU-Taxonomie-Verordnung sind 

  • Klimaschutz 

  • Anpassung an den Klimawandel 

  • die nachhaltige Nutzung und Schutz und Wasser- und Meeresressourcen 

  • der Übergang zur Kreislaufwirtschaft 

  • Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung  

  • der Schutz und die Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme 

Außerdem dürfen nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten nicht gegen soziale Mindeststandards verstoßen. Und schließlich müssen sie bestimmten technischen Prüfstandards genügen (Technical Screening Criteria/TSC). 

Die Taxonomie definiert auf dieser Grundlage drei Kategorien nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten

  • Tätigkeiten, die direkt substanziell zur Erfüllung der sechs Umweltziele beitragen 

  • Tätigkeiten, die derzeit noch durch keine CO2-arme Alternative ersetzt werden können, aber die den Übergang zur Klimaneutralität unterstützen (Transition-Aktivitäten)  

  • Tätigkeiten, die andere Aktivitäten ermöglichen, die wiederum zur Erreichung der Umweltziele beitragen (Enabling-Aktivitäten) (ohne hierbei beispielsweise durch Lock-In- oder andere Effekte langfristig mehr zu schaden als zu nützen) 

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Pflicht und Chance für den Mittelstand 

Der Vorteil für Unternehmen: Mit den neuen Richtlinien vor Augen haben sie künftig klare Kriterien dafür, was in den ESG-Bericht gehört. Und womöglich gleichzeitig einen Hinweis auf Bereiche, in denen das eigene Engagement noch ausbaufähig ist. Das können sich gerade mittelgroße Unternehmen, die heute noch nicht berichtspflichtig sind, zunutze machen.  

Denn: Das ESG-Reporting bloß als lästige Pflicht zu begreifen, wäre eine vertane Chance. Und das gilt nicht nur für diejenigen, die heute schon berichtspflichtig sind oder es demnächst werden. Hier tut sich für jedes Unternehmen eine Vielzahl an Möglichkeiten auf – zum Beispiel diese: 

  • Klare Fakten sorgen für Vertrauen – vor allem dann, wenn Unternehmen sie verständlich kommunizieren. Greenwashing ist eine Taktik von gestern, die Verbraucher*innen und Investoren inzwischen häufig schnell durchschauen. Und das hat in der Regel negative Konsequenzen. Ihr ESG-Bericht sollte mehr als das bieten.  

  • Transparenz wird belohnt. Sie haben in Sachen Nachhaltigkeit schon konkret vorgearbeitet und neue Strukturen etabliert? Der ESG-Bericht ist Ihre Chance, damit zu glänzen und sich von Mitbewerbern abzuheben. 

  • Am Finanzmarkt zeichnet sich ein stetig steigendes Interesse an nachhaltigen Investments ab. Verbraucher*innen fragen verstärkt „grün“ und „fair“ hergestellte Güter nach. Wer sich entsprechend positionieren kann, nimmt gerade jetzt entscheidende Vorteile mit. Das lässt sich auch daran ablesen, dass in den neuen Richtlinien nicht mehr von „nichtfinanziellen“ Aktivitäten die Rede ist. Stattdessen spricht die EU von „Sustainability Matters“, also einfach von Nachhaltigkeitsangelegenheiten – die sich, so die naheliegende Interpretation, mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Umsatz und Gewinn auswirken werden.   

Sie sehen: Ein gut gemachter und nachvollziehbarer ESG-Bericht kann echte Wettbewerbsvorteile bringen und dem eigenen Image nützen. Bis 2023 bleibt Zeit, um die Weichen zu stellen. Wir unterstützen Sie gern dabei. 

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