ESG-Basiswissen

 

 

ESG-Basiswissen: Was bedeutet ESG für Unternehmen konkret? 

Nachhaltigkeit ist keineswegs eine Erfindung des 21. Jahrhunderts: Bereits 1972 veröffentlichte der Club of Rome seinen Bericht „Die Grenzen des Wachstums” und schuf damit ein breiteres öffentliches Bewusstsein über die Auswirkungen wirtschaftlichen Wachstums auf die Umwelt. Seitdem ist das Thema Nachhaltigkeit immer wieder Gegenstand internationaler Konferenzen gewesen, ohne dass jedoch verbindliche regulatorische Maßnahmen auf globaler Ebene festgelegt wurden. 

2015 einigten sich die Mitgliedstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen in Paris auf ein gemeinsames Ziel: die Begrenzung der Erderwärmung um deutlich weniger als zwei Grad Celsius. Laut EU-Kommission sollen Treibhausgasemissionen bis 2050 auf netto Null fallen – ein ehrgeiziger Plan, der Politik und Wirtschaft vor große Herausforderungen stellt. 

Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen erst in den letzten Jahren zu einem wichtigen Thema geworden. Vielen ist klar, was sich hinter dem Schlagwort verbirgt und welche Bedeutung es für die eigenen Geschäftsaktivitäten hat. Es mangelt jedoch oftmals an der Umsetzung und an fehlenden ESG-Strategien. Wir erklären Ihnen, worum es bei ESG genau geht und welche Chancen die passenden ESG-Strategien für Ihr Unternehmen mit sich bringt. 

Inhalt

Was bedeutet Corporate Social Responsibility (CSR) und was ESG? 

Nachhaltigkeit im Bereich Umwelt (Environment)

Nachhaltigkeit im Bereich Soziales 

Nachhaltigkeit im Bereich Governance

Das Thema ESG richtig angehen 

Was bedeutet Corporate Social Responsibility (CSR) und was ESG? 

Viele Unternehmen sehen sich nicht erst seit dem Pariser Klimaabkommen in der Pflicht, Verantwortung für die ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen ihres unternehmerischen Handelns zu übernehmen. Diese Corporate Social Responsibility (CSR) kommt schließlich nicht nur Mitarbeitenden und der Umwelt zugute. Bereits 2010 konnte das Max-Planck-Institut für Ökonomik positive Effekte von CSR auf die Reputation und letztlich auf die Umsatzhöhe von Unternehmen belegen.   

Die freiwillige Verpflichtung zu verantwortlichem unternehmerischem Handeln, die für einige Unternehmen schon seit Jahren zur Strategie gehört, ist eng verknüpft mit Environmental Social Governance (ESG). Teils werden die Begriffe auch synonym verwendet. Das Konzept ESG baut auf dem Nachhaltigkeitsbewusstsein der Unternehmen auf. Es geht dabei allerdings auch darum, Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen mess- und quantifizierbar zu machen. 

Bei ESG werden die Nachhaltigkeitsaktivitäten in folgende Bereiche untergliedert: 

  • Umwelt (Environmental) 

  • Soziales (Social) und  

  • Unternehmensführung (Governance).  

Nachhaltigkeit im Bereich Umwelt (Environment)

Die Auswirkungen von Schadstoffemissionen und Rohstoffraubbau sind weltweit spürbar. Der Klimawandel und damit einhergehende Wetterextreme stellen Unternehmen bereits heute vor Herausforderungen: Hochwasser und Fluten zerstören Landstriche, Infrastruktur und Lieferketten sind bedroht.  

Der aktuelle Bericht des Weltklimarates der Vereinten Nationen (IPCC) von 2021 ist alarmierend. Er unterstreicht nochmals den Einfluss des Menschen auf die Erderwärmung. Auch gilt der immer schneller voranschreitende Klimawandel unbestreitbar als Ursache für Wetterextreme auf der ganzen Welt.   

Damit der Klimawandel, Ressourcenknappheit und damit zusammenhängende Marktveränderungen nicht weiter voranschreiten, müssen sich Unternehmen unter anderem mit folgenden Punkten auseinandersetzen:  

  • Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel 

  • Nachhaltige Nutzung und Schutz von Ressourcen   

  • Abfallvermeidung, Recycling und Kreislaufwirtschaft 

  • Nachhaltige Landnutzung und Schutz der biologischen Vielfalt 

  • Schutz der Ökosysteme an Land wie im Wasser (Vermeiden von Umweltverschmutzung) 

Insbesondere in der Produktionskette müssen umweltbelastende Faktoren erkannt und nach Möglichkeit systematisch durch nachhaltigere Optionen ersetzt werden. Bei solchen Umstrukturierungen sollten Unternehmen die schonende Nutzung von Rohstoffen und Flächen, etwa von Wasser und Wäldern, im Blick behalten. Auch die Verringerung des CO2-Ausstoßes und der (vollständige) Umstieg auf bezahlbare und erneuerbare Energien sind wichtiger Bestandteil nachhaltigen Wirtschaftens. 

Zum Schutz von Ökosystemen sollte Umweltverschmutzung vermieden werden. Daher sind Abfallvermeidung, umfassendes Recycling und Kreislaufwirtschaft wichtige Faktoren in einer nachhaltigen Umweltstrategie. Ebenso sind Maßnahmen zu treffen, um die Artenvielfalt zu erhalten und das Artensterben zu verhindern. 

Nachhaltigkeit im Bereich Soziales

Mit sozialer Nachhaltigkeit sorgen Unternehmen dafür, dass ihre Mitarbeitenden langfristig kulturell, materiell und sozial am Alltagsleben teilhaben können. Dies setzt nicht nur geregelte und angemessene Einkommen voraus. Auch gute und faire Arbeitsbedingungen tragen maßgeblich zur sozialen Nachhaltigkeit eines Unternehmens bei. Auf lange Sicht verbessert sich dadurch nicht nur die Reputation eines Unternehmens, es führt langfristig zu einer Verringerung von Transaktions- wie auch Transitionskosten. Transition meint hierbei den kontrollierten Übergang von bereits bestehenden in nachhaltige Funktionssysteme. 

Nachhaltig Sozialkapital aufzubauen, bedeutet vor allem, eine respektvolle Austauschbeziehung zwischen Unternehmen, Mitarbeitenden, Kunden und Zulieferern zu schaffen.  

Im Bereich Soziales können unter anderem folgende Aspekte relevant sein: 

  • Einhaltung von arbeitsrechtlichen Standards, sowohl vor Ort als auch an Produktionsstätten im Ausland (z. B. faire Arbeitszeiten und Entlohnung, keine Kinder- oder Zwangsarbeit) 

  • Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz für alle Mitarbeitenden 

  • Gewerkschafts- und Versammlungsfreiheit 

  • ausreichende Produktsicherheit inklusive Gesundheitsschutz 

  • Sicherstellung von Sozialstandards auch bei Unternehmen entlang der Lieferkette 

  • Inklusion und Diversität 

Natürlich können Unternehmen mit Spenden und sozialem Engagement an den Standorten   einen wichtigen Beitrag leisten, der gleichzeitig auf die Reputation einzahlt. Soziale ESG-Kriterien gehen jedoch weit darüber hinaus. Sie erfordern unter anderem ein vertrauensvolles Einbinden aller relevanten Personengruppen.  

Gesunde und zufriedene Mitarbeitende sind eine wichtige Ressource für Unternehmen. Allein deshalb ist es elementar, sie bestmöglich vor physischen und psychischen Erkrankungen, Unfällen am Arbeitsplatz oder Mobbing zu schützen. Dies umfasst jedoch nicht nur die eigenen Mitarbeitenden, auch wenn diese naturgemäß häufig im Fokus stehen. Ein kritischer Blick darauf, wie es um die Einhaltung von arbeitsrechtlichen Standards auch an Unternehmenseinheiten im Ausland steht, kann daher ein wichtiger Punkt bei der sozialen Nachhaltigkeitsstrategie sein.  

Die sozialen Standards, die sich ein Unternehmen setzt, sollten konsequenterweise von zuliefernden oder anderweitig im eigenen Wirtschaftskreislauf eingebundenen Unternehmen erfüllt werden. Denn das eigene Engagement ist wenig überzeugend, wenn wissentlich auf einen Zulieferer mit fragwürdigen Produktionsbedingungen gesetzt wird. Spätestens ab Januar 2023 ist durch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz [Link auf entsprechenden Artikel, wenn online] nicht nur der Umweltschutz, sondern auch der Schutz von Menschenrechten als fester Bestandteil einer jeden Unternehmensagenda vorgeschrieben. 

Nachhaltigkeit im Bereich Governance

Die ESG-Kriterien im Bereich Umwelt und Soziales zeigen bereits deutlich auf, welche Chancen in einem durchdachten Nachhaltigkeitsmanagement stecken. Damit Begriffe wie „Vertrauen” und „Transparenz” nicht bloße Worthülsen bleiben, sollten Nachhaltigkeitsstrategien immer auch die Unternehmensführung selbst ins Blickfeld rücken. Denn sie ist ein maßgeblicher Faktor für die Corporate Identity eines Unternehmens.  

Zu den wichtigen Punkten der nachhaltigen Unternehmensführung gehören: 

  • Steuerehrlichkeit 

  • Maßnahmen zur Korruptionsverhinderung 

  • Nachhaltigkeitsmanagement (bis hinauf in den Vorstand) 

  • Vorstandsvergütung nach nachhaltigen Kriterien 

  • Ermöglichung von Whistleblowing 

  • Gewährleistung von Arbeitnehmerrechten 

  • Gewährleistung des Datenschutzes 

  • Offenlegung von Informationen (Transparenz) 

Eine positive Außenwirkung durch konsequente Steuerehrlichkeit und Anti-Korruptionsstrategien sind für den Erfolg eines Unternehmens genauso entscheidend wie stetes Nachhaltigkeitsmanagement nach innen. Wichtig dafür ist ein glaubhaft nachhaltiges Mindset der Unternehmensführung. 

Manche ESG-Merkmale gehören in vielen Unternehmen längst zum geschäftlichen Alltag. Etwa die Einhaltung des Datenschutzes und die Offenlegung von Informationen. Andere dürften für viele Führungsetagen noch gewöhnungsbedürftig sein, etwa die Ermöglichung von Whistleblowing. Auch wenn die EU-Richtlinie zum Schutz von Whistleblowern bereits beschlossen wurde und bis Dezember 2021 von allen Mitgliedstaaten umgesetzt sein muss. Ein Unternehmen, das nachhaltig transparent agiert, hat durch Whistleblowing ohnehin nichts zu befürchten.  

Die Investition in Vertrauenswürdigkeit ist immer auch eine Investition in die Zukunft Ihres Unternehmens. Wer gegenüber Kunden, Mitarbeitenden und der Gesellschaft transparent wirtschaftet, zieht langfristig den größten Nutzen aus einer nachhaltigen Unternehmensführung nach ESG-Standards. 

Das Thema ESG richtig angehen 

Nachhaltiges Wirtschaften ist nicht nur eine Sache des freiwilligen Commitments, sondern vielmehr unerlässlich, um am Markt zu bestehen. Viele Unternehmen ist bewusst, dass sie handeln müssen, tun sich aber schwer damit, das Thema strategisch anzugehen. Nachvollziehbar, denn es ist zum einen umfangreich und zum anderen gibt es keine vorgefertigten Lösungsmodelle. Best Practices anderer Unternehmen können zwar gute Ansatzpunkte liefern, komplett übertragbar dürften sie jedoch kaum sein. 

Jedes Unternehmen hat schließlich sein eigenes Geschäftsmodell, seine eigenen Prozesse, Strukturen und Bedürfnisse. Der erste Schritt hin zur effektiven Nachhaltigkeitsstrategie ist deshalb eine gründliche Bestandsaufnahme.  

  • Wo steht mein Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit? 

  • Welche Anforderungen und Bedürfnisse hat unser Unternehmen/haben unsere Mitarbeitenden/unsere Kunden? 

  • Lassen sich bestehende Strategien anpassen oder braucht es neue? 

  • Wie stellen wir sicher, dass unsere Strategien erfolgreich sein werden? 

Wir von Protiviti gehen das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich an und unterstützen Sie auf Ihrem Weg, ohne Greenwashing zu betreiben. Von der Bestandsaufnahme durch den gesamten Transformationsprozess und bei der Planung und Umsetzung konkreter einzelner Schritte: Wir stehen Ihnen zur Seite. Dabei weisen wir Ihnen den Weg im Umgang mit den relevanten Reporting-Standards und berücksichtigen gleichzeitig immer die individuellen Bedürfnisse Ihres Unternehmens.

Nehmen Sie gerne Kontakt auf, wir freuen uns auf Ihre Anfrage! 

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